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„Eine schöne und wichtige Veranstaltung“, „Endlich setzt ihr dem Migranten- und Geflüchteten-Bashing etwas entgegen“, „Schön, die Menschen zu treffen, die wir vor 10 Jahren hier in Remseck in Empfang nahmen und zu sehen, was sie jetzt machen“, dies waren einige der Feedbacks zur Veranstaltung am letzten Freitag im Haus der Bürger, die zum 10 jährigen Bestehen des AK-Asyl Remseck stattfand.
In seinem Grußwort hob OB Schönberger die schnelle Hilfe durch die Ehrenamtlichen des AK-Asyls hervor, die durch gute Vorbereitung sofort aktiv werden konnten, als 2015 die ersten Geflüchteten in Neckargröningen ankamen und es noch keine hauptamtlichen Strukturen und Stellen in der Stadt gab. Für ihn ist die gelungene Integration auch messbar an der besten Kriminalitätsstatistik, die Remseck derzeit im Landkreis aufweist. Ein Vergleich, der im Nachgang für Diskussionen sorgte, weil dieser wie eine Vorverurteilung Geflüchteter wirkte.
Ahmad Muadal ein syrischer Geflüchteter, der 2015 mit Verwandten nach Remseck kam, hat inzwischen seinen Meister im Bereich Elektronik und Netze gemacht. Für ihn waren gerade im „kleinen Remseck“ die Wege kurz, es gab viele, die ihm bei der Integration halfen und ihn hinsichtlich seiner Ausbildung gut berieten und ihn unterstützen. Anders als in Stuttgart hatte er hier viel Unterstützung von Ehrenamtlichen des AK. Für ihn war die Sprache beim Ankommen sicher eine sehr große Hürde, besonders herausfordernd für ihn war es jedoch, die ganz andere deutsche Kultur zu verstehen und sich „richtig“ zu verhalten. „Hier können nur einheimische Freunde helfen, denn so etwas lernt man nicht im Sprachkurs“, deshalb brauche es einen AK-Asyl dringend, und durch seine Mitarbeit im Vorstand des AK-Asyls habe er nicht nur geholfen, sondern viel gelernt.
Umrahmt von der ukrainischen Liedgruppe der fünf „Sonnenblumen“ stellte Helmut Gabler die historische Entwicklung des AK Asyl anhand großer, auf Stellwänden präsentierter Bilder dar, so dass die Gäste in Erinnerungen schwelgen und neue Pläne für Begegnungen schmieden konnten.
Serhii, ein hervorragender Akkordeonspieler,der seit 2 Jahren in Remseck lebt, sang auf ukrainisch von der Schönheit seiner ukrainischen Heimat, trug ein griechisches Lied vor und widmete dem AK noch ein kleines Geburtstagsständchen auf Deutsch.
Besonders beeindruckend war zum Schluss der Veranstaltung eine Rede mit einem Rück- und Ausblick von Dieter Jäger, Pastor der Evangelisch-methodistischen Kirche und Koordinator des AK-Asyl. Er wies auf den Fehlschluss hin, Migration "als Mutter aller Probleme“ zu bezeichnen, wie bereits 2018 durch den damaligen Innenminister geschehen. Geflüchtete dürften nicht auf Probleme reduziert werden. Zu oft würden Problemstellungen nicht analysiert, es werde nicht lösungsorientiert und menschenzentriert gehandelt, sondern einzelne Ereignisse werden missbraucht, um grundsätzlich Misstrauen zu säen.
Der jüngst von Bundeskanzler Friedrich Merz gewählte Begriffs des „Stadtbildes“, in welchem sich noch "dieses Problem" zeige, das jetzt durch vermehrte Abschiebungen beseitigen werden soll, ist für Dieter Jäger nicht hinnehmbar. Merz verwende damit unbewusst oder bewusst rassistische Deutungsmuster, indem er Äußerlichkeiten zur politischen Kategorie macht. Sichtbarkeit von Migration dürfe nicht als gesellschaftliches Problem verhandelt werden, vielmehr müsse über sozio-strukturelle Ursachen gesprochen werde. Der AK-Asyl habe in den vergangen Jahren trotz mancher Schwierigkeiten die Wichtigkeit der Menschlichkeit betont. Wenn jedoch das gesellschaftliche und politische Denken und Reden zu einer Krise der Menschlichkeit führe, müsse man gegensteuern, politisch, menschlich, aktiv. Genau dafür stehe der AK Asyl Remseck heute und auch in Zukunft.