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In mehr als 70 Städten und Gemeinden Baden-Württembergs gibt es Jugendgemeinderäte: In Filderstadt beispielsweise seit 1987, in Winnenden seit 1994. Seit dem letzten Jahr dürfen bei den Kommunalwahlen 16jährige teilnehmen. Höchste Zeit also, dass auch in Remseck Jugendliche stärker am politischen Geschehen beteiligt werden.
Jugend BeWegtDoch in welcher Form? Während die Stadträtinnen und -räte an einen Jugendgemeinderat dachten, entwickelten die Remsecker Jugendlichen ganz eigene Vorstellungen. Mit Hilfe des Projekts „Jugend BeWegt“, das vom Landesjugendring und der Jugendstiftung BW gefördert wird, machten sie sich 2013 auf den Weg. Eine Steuerungsgruppe tagte mehrfach, 35 Jugendliche ließen sich zu Moderatoren schulen und rüsteten sich für den großen Tag im Juli 2014: Dem Jugendforum. An diesem Tag machten sich 140 Jugendliche aus den Klassen 8 bis 10 in Arbeitsgruppen Gedanken zu verschiedenen Themen. Dafür gab es schulfrei! Im Anschluss wurde in verschiedenen Arbeitsgruppen inhaltlich weitergearbeitet. Dabei kristallisierten sich drei Gruppen heraus, die ihre Ergebnisse am 25. Februar Gemeinderäten, Verwaltungsspitze und Mitgliedern der Steuerungsgruppe vorstellten. Jugendcafe #noNameDie Idee zu einem solchen Angebot fand im Jugendforum viel Anklang. Es soll ein Treffpunkt für 16- bis 20jährige Jugendliche sein, die sonst nicht ins Haus der Jugend kommen. Immer freitags im Haus der Jugend von 19-22 Uhr. Es gibt Thekenteams aus je vier Helferinnen und Helfern, die Musik, Getränke und Knabberzeug anbieten. Die Gruppe hat sich Möglichkeiten der Werbung und Regeln überlegt. Startschuss fiel am 13.03. mit einem Schokotag. SchuleIm Jugendforum ergaben sich zwischen den Jugendlichen der verschiedenen weiterführenden Schulen neue und gute Kontakte. Dies möchte die Gruppe „Schule“ weiter ausbauen, z.B. durch gemeinsame Veranstaltungen. Einen weiteren Themenkomplex in dieser Gruppe bilden die Schultoiletten. Diese sind zwar laut Verwaltung hygienisch einwandfrei, teilweise jedoch ziemlich in die Jahre gekommen. Die Schüler haben sich überlegt, dass sie einerseits bei den Mitschülern für einen pfleglicheren Umgang werben, andererseits ein System für Schadensmeldungen erstellen könnten. Außerdem wäre eine Prioritätenliste für die Sanierung hilfreich, nach dem Motto: Welche Toilette hat‘s am nötigsten? Aus finanziellen Gründen können leider nicht alle sanitären Anlagen auf einmal erneuert werden. Als letztes Teilprojekt hat diese Gruppe zwei Fragebögen zur Lehrerbewertung ausgearbeitet. Der „Ernste“ ist sehr gut gelungen, von einem öffentlichen Ranking rieten die Zuhörer allerdings ab. Der „Lustige“ kann dagegen veröffentlicht werden.JugendbeteiligungHier wurde die Fragestellung: „Wie soll Jugendbeteiligung in Zukunft in Remseck nachhaltig verankert werden?“ bearbeitet. Fazit der Jugendlichen: Wir wollen uns selbst organisieren mit Unterstützung der Verwaltung, eine eigene Dynamik entwickeln, ohne starre Strukturen oder Hierarchie. Also kein Jugendgemeinderat. Stattdessen jährliche Moderatorenschulung für den Nachwuchs und ein Jugendforum alle zwei Jahre, das die Projektideen bringt. Dazwischen wird an den Themen gearbeitet, für die sich genügend Interessenten finden. Denn nur dann sind sie wichtig. Jede/r kann sich zu jeder Zeit einbringen. Nach anfänglicher Skepsis und ausführlicher Diskussion finden Gemeinderäte und Verwaltungsspitze, dass das Konzept passt.Beeindruckt von den durchdachten Projekten nahmen wir die Grundsatzfrage mit: „Wie kann man in Remseck eine Kultur schaffen, die Jugendliche motiviert?“. Die Jugendlichen hätten schon ein paar Ideen hierzu.